
Gelenk-Manipulator mit spezieller Saugvorrichtung für das Umsetzen von Käse

Gelenk-Manipulator mit spezieller Saugvorrichtung für das Umsetzen von Käse
Ratgeber · Lebensmittelindustrie · Zertifizierung
Hygienic Design in der Handhabungstechnik: Normen und Anforderungen für die Lebensmittelindustrie
EHEDG, HACCP, IFS Food und EU 1935/2004: Was Hygienic Design für Manipulatoren, Hubachsen und Hebelifte in der Lebensmittelproduktion konkret bedeutet, welche Werkstoffe und Oberflächen gefordert sind und wie Zeilhofer HHT diese Anforderungen konstruktiv umsetzt.
Kurz erklärt
Hygienic Design bezeichnet die hygienegerechte Konstruktion von Handhabungstechnik nach EHEDG-Richtlinien: glatte, totraumfreie Edelstahloberflächen mit einem Ra-Wert unter 0,8 µm, spaltfreie Schweißnähte und, wo nötig, vollelektrische Antriebe ohne Druckluft. Für Lebensmittelbetriebe ist das die technische Voraussetzung, um HACCP-, IFS-Food- und EU-1935/2004-Anforderungen an ihre Anlagentechnik zu erfüllen.
KAPITEL 01
Einleitung
Hygienic Design ist keine Marketingaussage, sondern eine ingenieurtechnische Disziplin. Die European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) hat dafür Konstruktionsprinzipien definiert, die internationaler Maßstab für Maschinen und Komponenten in der Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaproduktion sind. Entscheidend ist nicht allein der Werkstoff Edelstahl, sondern die gesamte Konstruktion: totraumfreie Geometrien, definierte Gefälle, spaltfreie Verbindungen und Oberflächen, die sich rückstandsfrei reinigen lassen.
Für Handhabungstechnik heißt das konkret: Jede Stelle, an der sich Produktreste, Feuchtigkeit oder Reinigungsmittel sammeln können, ist ein potenzielles Kontaminationsrisiko. Ein Manipulator oder eine Hubachse in Lebensmittelqualität muss diese Risikostellen konstruktiv vermeiden, nicht nur äußerlich wie Edelstahl aussehen.
KAPITEL 02
Regulatorischer Rahmen: Welche Normen gelten?
Für Handhabungstechnik in der Lebensmittelindustrie greifen mehrere Regelwerke ineinander:
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EHEDG-Richtlinien: technische Konstruktionsprinzipien für hygienisches Design, unter anderem Dokument 8, 13 und 35.
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HACCP: die Gefahrenanalyse im Betrieb, in der auch die eingesetzte Handhabungstechnik als potenzielle Kontaminationsquelle bewertet wird.
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IFS Food und BRC: Zertifizierungsstandards, bei deren Audits Reinigungsvalidierung und Materialdokumentation der Anlagentechnik geprüft werden.
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EU-Verordnung 1935/2004: Anforderungen an Materialien und Gegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, relevant für Greifer und Vorrichtungen mit Produktkontakt.
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LFGB: nationale Ergänzung zur europäischen Lebensmittelkontaktmaterial-Regulierung.
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DGUV Vorschrift 54: jährliche UVV-Prüfung für Hebehilfen, unabhängig vom Hygienestatus. Mehr dazu im Ratgeber UVV-Prüfung für Hebehilfen.
KAPITEL 03
Hygienic Design vs. Reinraum: Wo liegt der Unterschied?
Die beiden Begriffe werden häufig vermischt, folgen aber unterschiedlichen Regelwerken. Hygienic Design betrifft primär den direkten Produktkontakt und die Reinigbarkeit von Oberflächen, maßgeblich für Lebensmittel- und Getränkebetriebe. Reinraumtauglichkeit betrifft die Partikel- und Keimfreiheit der umgebenden Luft nach Reinraumklassen gemäß ISO 14644, maßgeblich für Pharma- und Halbleiterfertigung.
In der Praxis überschneiden sich beide Anforderungen häufig, etwa bei der Abfüllung steriler Lebensmittel. Für reine Reinraumanwendungen ohne spezifische Lebensmittelhygiene siehe unseren Beitrag Hebehilfe für Reinraum und Pharma.
KAPITEL 04
Konstruktionsprinzipien nach EHEDG
Werkstoffe
Edelstahl 1.4301 (V2A) für die meisten Anwendungen, 1.4404 (V4A) bei aggressiven Reinigungsmitteln, Säuren oder chloridhaltigen Umgebungen wie Salzlaken.
Schweißnähte
Vollständig verschliffen und geglättet, keine Poren oder Unterbrechungen, in denen sich Rückstände festsetzen können.
Oberflächenrauheit
Produktberührte und reinigungsrelevante Oberflächen mit Ra unter 0,8 µm, glatt geschliffen und poliert, um Anhaftung von Mikroorganismen zu verhindern.
Schutzart
Antriebe und Steuerungen in Nassbereichen in Edelstahlausführung mit Schutzart IP69K für Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung.
Totraumfreiheit
Keine offenen Profile, keine Schmutzkanten, definierte Gefälle an horizontalen Flächen, damit Reinigungsflüssigkeit vollständig abläuft.
Antriebstechnik
Vollelektrische Antriebe ohne Druckluft, wo Partikelfreiheit gefordert ist, da Druckluft Ölnebel und Abluft einbringen kann.
KAPITEL 05
Was das für Zeilhofer Hebehilfen bedeutet
Zeilhofer HHT konstruiert Manipulatoren, Hubachsen und Hebelifte in Edelstahl-Ausführung mit hygienischem Design, individuell auf die Prozess- und Reinigungsanforderungen des jeweiligen Lebensmittelbetriebs abgestimmt.
Traglast bis 100 kg
Mobil, akkubetrieben, ohne Druckluft.
Traglast bis 800 kg
Edelstahl-Ausführung, pneumatisch oder vollelektrisch.
Traglast bis 1.200 kg
Vollelektrisch für sensible Bereiche.
Greifer und Vorrichtungen entstehen als individuelle Sonderkonstruktion in lebensmittelgerechter Ausführung. Zeilhofer Handhabungstechnik aus Holzkirchen ist nach ISO 9001 und TISAX Level 2 mit Prototypenschutz zertifiziert und plant jede Hebehilfe von der Prozessanalyse über Konstruktion und Fertigung bis zur Inbetriebnahme aus einer Hand.
KAPITEL 06
Lohnt sich der Mehraufwand?
Hygienegerechte Ausführungen in Edelstahl kosten typischerweise 15 bis 30 Prozent mehr als Standardausführungen. Dem stehen geringere Reinigungskosten, kürzere Stillstandszeiten bei Audits und ein deutlich reduziertes Risiko für Produktrückrufe gegenüber. In regelmäßig auditierten Betrieben amortisiert sich der Mehraufwand meist innerhalb weniger Jahre über eingesparte Reinigungszeit und Ausfalltage. Eine detaillierte Preisstruktur für Manipulatoren zeigt der Beitrag Was kostet ein Industriemanipulator.
KAPITEL 07
So läuft ein Hygienic-Design-Projekt ab
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Analyse: Hygieneklasse, Reinigungskonzept und Lastanforderungen, vor Ort oder per Videocall.
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Konzept: Individuelle Auslegung mit Werkstoffwahl, Aufstellplan und verbindlicher Preisindikation.
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Konstruktion und Fertigung: in Holzkirchen, Deutschland, nach ISO 9001, mit dokumentierten Materialien.
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Inbetriebnahme und Service: Montage und Schulung vor Ort, weltweit, optional mit Wartungsvertrag.
KAPITEL 08
Checkliste für Ihre Ausschreibung
Diese Fragen sollten Sie vor der Beschaffung einer Hebehilfe für die Lebensmittelindustrie beantworten können:
✓ Welche Hygieneklasse beziehungsweise Reinraumklasse ist für den Einsatzort erforderlich?
✓ Welches Reinigungsverfahren kommt zum Einsatz: Trockenreinigung, Nassreinigung, Hochdruck- oder CIP-Reinigung?
✓ Welche Reinigungsmittel und Chemikalien werden verwendet, etwa Säuren, Laugen oder Chlorid?
✓ Hat die Vorrichtung direkten Produktkontakt und fällt damit unter EU 1935/2004?
✓ Welche Traglast und welcher Arbeitsbereich werden für den Prozess benötigt?
✓ Ist Druckluft im Bereich zulässig oder aus Hygienegründen ausgeschlossen?
✓ Welche Zertifizierung fordert Ihr Kunde oder Auditor, zum Beispiel IFS Food oder BRC?
✓ Welche Dokumentation wird für die Materialrückverfolgbarkeit benötigt?
KAPITEL 09
Anwendungsbeispiele aus der Praxis
Wie sich diese Prinzipien in konkreten Lebensmittelbetrieben umsetzen, zeigen unsere Branchenbeispiele: Ein Überblick über Anwendungen in Molkerei, Fleischverarbeitung, Backwaren und Getränkeindustrie findet sich im Beitrag Hebehilfe für die Lebensmittelindustrie. Ein reales Projekt zeigt der Gelenkarm-Manipulator für Molkereibetriebe.
FAQ / Q&A
Häufige Fragen zu Hygienic Design
01 Was bedeutet Hygienic Design bei Handhabungstechnik?
Hygienic Design bezeichnet die konstruktive Auslegung von Maschinen und Komponenten nach den Richtlinien der European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG). Ziel ist es, Kontaminationsrisiken durch glatte, totraumfreie und leicht zu reinigende Oberflächen zu minimieren.
02 Welche Normen und Vorschriften gelten für Handhabungstechnik in der Lebensmittelindustrie?
Relevant sind die EHEDG-Richtlinien für die Konstruktion, die HACCP-Grundsätze für die Gefahrenanalyse, Zertifizierungsstandards wie IFS Food oder BRC für Audits, die EU-Verordnung 1935/2004 für Lebensmittelkontaktmaterialien sowie national das LFGB. Für die Arbeitssicherheit gilt zusätzlich die DGUV Vorschrift 54.
03 Welcher Edelstahl wird für hygienische Hebehilfen verwendet?
Für die meisten Anwendungen genügt Edelstahl 1.4301 (V2A). Bei aggressiven Reinigungsmitteln, Säuren oder chloridhaltigen Umgebungen kommt 1.4404 (V4A) zum Einsatz.
04 Was bedeutet der Ra-Wert bei Hygienic Design?
Der Ra-Wert beschreibt die Oberflächenrauheit. Die EHEDG fordert für produktberührte oder reinigungsrelevante Oberflächen einen Ra-Wert unter 0,8 µm. Glatte Oberflächen verhindern, dass sich Mikroorganismen mechanisch anlagern.
05 Warum kommen bei Hygienic Design elektrische Antriebe ohne Druckluft zum Einsatz?
Druckluft kann Ölnebel und Abluft in sensible Bereiche einbringen. Vollelektrische Antriebe vermeiden dieses Risiko und eignen sich daher besonders für Bereiche mit hohen Hygieneanforderungen.
06 Wie hoch ist der Mehraufwand für Hygienic-Design-Ausführungen?
Hygienegerechte Ausführungen in Edelstahl kosten typischerweise 15 bis 30 Prozent mehr als Standardausführungen. Dem stehen geringere Reinigungskosten, kürzere Stillstandszeiten bei Audits und ein reduziertes Risiko für Produktrückrufe gegenüber.
07 Was ist der Unterschied zwischen Hygienic Design und Reinraumtauglichkeit?
Hygienic Design betrifft den direkten Produktkontakt und die Reinigbarkeit von Oberflächen, relevant für Lebensmittel- und Getränkebetriebe. Reinraumtauglichkeit betrifft die Partikel- und Keimfreiheit der Umgebungsluft nach Reinraumklassen gemäß ISO 14644, relevant für Pharma- und Halbleiterfertigung. Beide Anforderungen können sich überschneiden, folgen aber unterschiedlichen Regelwerken.
08 Braucht jede Hebehilfe in der Lebensmittelindustrie eine IFS-Food-Zertifizierung?
Nein, die Hebehilfe selbst wird nicht IFS-Food-zertifiziert, das Zertifikat gilt für den Lebensmittelbetrieb. Die Hebehilfe muss jedoch so konstruiert sein, dass sie die Anforderungen des Audits an Reinigbarkeit und Materialdokumentation nicht gefährdet.
09 Müssen Greifer und Vorrichtungen ebenfalls hygienisch ausgeführt sein?
Ja, insbesondere bei direktem Produktkontakt. Hier gilt zusätzlich die EU-Verordnung 1935/2004 für Lebensmittelkontaktmaterialien. Zeilhofer fertigt Greifer und Vorrichtungen in lebensmittelgerechter Materialauswahl.
10 Wie lange dauert die Umsetzung einer Hygienic-Design-Hebehilfe?
Je nach Komplexität und Sonderkonstruktion typischerweise 20 bis 25 Wochen von der Auftragsbestätigung bis zur Inbetriebnahme. Individuelle Vorrichtungen können die Vorlaufzeit verlängern.
11 Gilt Hygienic Design auch für mobile Hebehilfen wie den Hebelift ZH?
Ja. Auch mobile Systeme wie der Hebelift ZH sind in Edelstahl-Ausführung mit glatten, leicht zu reinigenden Oberflächen erhältlich und eignen sich für den Einsatz in Lebensmittelbetrieben bis 100 kg.
12 An wen wende ich mich für eine Hygienic-Design-Auslegung?
Sprechen Sie direkt mit den Ingenieuren von Zeilhofer Handhabungstechnik. Wir analysieren Ihre Hygieneklasse, Ihr Reinigungskonzept und Ihre Zertifizierungsanforderungen und entwickeln daraus eine passende, dokumentierte Lösung.
